Braunkohle – Irrläufer der deutschen Stromerzeugung

Problem: Überkapazitäten an Kohlekraftwerken

Die Energiewende ist erfolgreicher, als selbst die meisten Befürworter erwartet hätten. Doch ein Makel bleibt: Die Erneuerbaren Energien haben zwar den Wegfall des Atomstroms mehr als kompensiert, aber auf dem heutigen Strommarkt werden die klima-schädlichsten Kapazitäten bevorzugt; in Deutschland ist das vor allem Strom aus Braunkohle. Dies hintertreibt die klimapolitischen Ziele der Bundesregierung und gefährdet den internationalen Vorbildcharakter der Energiewende. weiterlesen…

COP (Conference of the Parties) – CMP

Das höchste Gremium der Klimarahmenkonventionvon 1992, das laut Konvention einmal jährlich tagt. Einmal im Jahr, zeitgleich zur UNFCCC Conference of the Parties, treffen sich die Regierungen, die das Kyoto-Protokoll unterzeichnet haben (Members of Protocol, MOP). Diese Konferenz (CMP – Conference of the Parties Serving as the Meeting of the Parties) fand das erste Mal 2005 statt. weiterlesen…

Arbeitsplätze contra Klimaschutz?

Als Umweltminister stand Sigmar Gabriel auf der Seite des Klimaschutzes und der Umwelt – medienwirksam ließ er sich vor sieben Jahren in herzlichem Einvernehmen mit Amtsvorvorgängerin Merkel vor grönländischen Gletschern ablichten. Als Wirtschafts/Energieminister und Parteivorsitzender steht er nun auf der Seite der Arbeitsplätze. Parteien kennen nur zwei Währungen: Parteispenden und Wählerstimmen – beides ist wichtig zum Machterwerb oder -erhalt. Gerät eines oder gar beide in Gefahr, versuchen Politiker hektisch, diese Gefahr zu bannen – meistens durch Umdenken oder -steuern. So kommen Arbeitsplätze in Konkurrenz zum Klimaschutz.
Schon während der Koalitionsverhandlungen war ein Un-Papier aus der RWE-Chefetage an die Öffentlichkeit gedrungen: Darin wurde die Schließung des Braunkohletagebaus Garzweiler II für 2018 erwogen; dass damit 10.000 Arbeitsplätze wegfielen, stand auch drin. RWE ließ das Gerücht zwei Tage schmoren, dann sammelte der Stromriese es wieder ein. Doch im Koalitionsvertrag steht die Kohle an prominenter Stelle. Ein Schuft, wer Böses dabei denkt.
Deutschland wird sein CO2-Ziel (minus 40% gegenüber 1990 bis 2020) verfehlen, wenn nicht harte Maßnahmen getroffen werden. Denn die CO2-Emissionen sind in den vergangenen drei Jahren gestiegen statt gefallen. Der Grund: zunehmender Einsatz veralteter Braunkohlekraftwerke, weil Kohlestrom wegen der spottbilligen Zertifikate konkurrenzlos wenig kostet. Denn es sind zu viele Zertifikate auf dem Markt, doch die Verknappung (Backloading) wird in Brüssel auf den Sankt-Nimmerleinstag verschoben. Fünf deutsche Dreckschleudern rangieren deshalb unter den Top Ten der EU – Rekord im CO2-Medaillenspiegel.
Umwelt-Staatssekretär Flasbarth konstatierte kürzlich: „Die Industrielobby hat bei der Einführung des Emissionshandels Aufweichungen durchgesetzt. Jetzt werden die Folgen sichtbar – das System wirkt nicht. Und nun sagt die Industrie: Der Staat darf seine Fehler von damals nicht korrigieren, er muss doch verlässlich bleiben. Ich finde diese Argumentation etwas bizarr.“
Die Diskussion um die Stilllegung von Kohlekraftwerken ist kurzsichtig – und sie lenkt ab vom Thema… weiterlesen…

Latif: CO2 seit 1990 um 60 Prozent gestiegen

Mojib Latif im Solarify-Selbst-Gespräch: „Bankrotterklärung der internationalen Klimaschutzpolitik“
“…also wenn Sie mich fragen: Warum nimmt kaum jemand die Bedrohung durch den Klimawandel wahr?

Unsere Welt wird zunehmend komplexer, vernetzter und schnelllebiger. Beim Klimaproblem handelt es sich um ein „Systemisches Risiko“. Also um ein Risiko, bei dem das einfache Ursache-Wirkung Prinzip nicht mehr greift. Unsere Welt ist inzwischen so undurchschaubar, dass wir bestimmte Risiken nicht mehr zu erkennen vermögen. Eine Eigenschaft der systemischen Risiken besteht nämlich darin, dass scheinbar unbedeutende Einflüsse die Welt förmlich aus den Angeln heben können. Was kann schon ein wenig mehr Kohlendioxid in der Luft anrichten? Es ist doch ein Spurengas, das nur einen kleinen Bruchteil eines Prozents zur Erdatmosphäre beiträgt! Wir sind offensichtlich nicht imstande, die dramatischen Folgen der schleichenden Erderwärmung zu erkennen. Sie wird sich nicht nur auf die Niederschläge oder die Meeresspiegel auswirken, sondern auch auf die Ökosysteme, die Weltwirtschaft wie auch die Sicherheitslage auf der Erde. weiterlesen…

Mojib Latif: Das Ende der Ozeane

Warum wir ohne die Meere nicht überleben werden

Die Weltmeere sind die Grundlage unserer Existenz und unsere wichtigste Ressource. Und der Ursprung allen Lebens auf der Erde. Eine faszinierende und vielfach noch völlig unbekannte Welt, deren Zerstörung seit Jahren ungeahnte Ausmaße erreicht. Mojib Latif, renommierter Klima- und Meeresforscher, stellt in seinem Buch mit dem (leider nur scheinbar) provozierenden Titel die entscheidenden Fragen und präsentiert ein eindringliches Plädoyer für die Erhaltung unserer Lebensgrundlage Meer. weiterlesen…

Energiewende 2.0 – Aus der Nische zum Mainstream

Buch von Gerd Rosenkranz

Die Energiewende in Deutschland ist bislang eine Erfolgsgeschichte. Die hierzulande erzeugte Strommenge aus Erneuerbaren Energien entspricht beispielsweise dem gesamten Strombedarf Schwedens. Damit ist die Markteinführung gelungen. Doch nun steht die zweite Etappe der Marktdurchdringung bevor, in der die Erneuerbaren zu den tragenden Säulen des neuen Energiesystems werden. weiterlesen…

Ressourceneffizienz und Wirtschaftlichkeit in der Chemie

Systematisches Process Life Cycle-Management – Buch von Adalbert Steinbach

Der Verbrauch von natürlichen Ressourcen hat eine kritische Grenze erreicht, die drohende Energieknappheit verlangt einen nachhaltigen Umgang mit Energieträgern und Rohstoffen. Auch chemische Unternehmen müssen sich damit auseinandersetzen, wie Ressourcen möglichst sparsam und kostengünstig einzusetzen sind – nicht zuletzt, um im internationalen Wettbewerb bestehen zu können. Hinsichtlich der Ressourceneffizienz spielen die Entwicklung und Optimierung der Verfahren in der chemischen und pharmazeutischen Industrie eine Schlüsselrolle. weiterlesen…

Die Machiavellis der Wissenschaft

„Merchants of doubt“ endlich auf Deutsch

Der Name des florentinischen Philosophen Nicolo Machiavelli ist verbunden mit einer Vorstellung von Politik ohne ethische Einflüsse von Moral und Sittlichkeit, der Machiavellismus seit 500 Jahren gemeinhin Inbegriff skrupelloser Machtpolitik. Die findet auch in der Wissenschaft statt, wie die amerikanischen Wissenschaftshistoriker Naomi Oreskes, University of California, und Erik M. Conway, California Institute of Technology, in ihrem Buch „Die Machiavellis der Wissenschaft“ (amerikanisches Original „Merchants of Doubt„) am Beispiel der Raucherlobby und Klimaleugner in den USA zeigen. weiterlesen…

Von Weizsäcker: „Zerstörerischer Fortschritt ist kein Fortschritt, sondern Rückschritt“

Ernst Ulrich von Weizsäcker im Solarify-Selbst-Gespräch

…also wenn Sie mich fragen: Wie lange geht das „Höher, schneller, weiter“ um jeden Preis noch gut? Wie lange halten wir die zwanghafte Kurzfristigkeit noch aus?

Nicht allzu lange. Die Beschleunigungsspirale ist selbstmörderisch. Ein System, in dem immer der Schnellere gewinnt, ist instabil. In seinem Buch „Der flexible Mensch“ beschreibt Richard Sennett dies als „Kultur der Kurzfristigkeit“. Akteure, die sich nur an der kurzfristigen Gewinnerzielung orientieren, zehren die zivilisatorischen Grundlagen des Kapitalismus und damit ihres eigenen Erfolges auf. Sennetts Fazit: Die Wiedergewinnung von Stetigkeit und Verlässlichkeit könnte zum größten kulturellen Verlangen unserer Zeit werden. Denn erst Langsamkeit und Fehlerfreundlichkeit schaffen die nötige Zeit zum Erproben. (Foto: Prof. Ernst Ulrich von Weizsäcker – Foto © ernst.weizsaecker.de) weiterlesen…